Artikel über TEMPS PERDU? in 'Neue Rhein Zeitung' [Düsseldorf-Deutschland], 26. Juli 1996 NRZ Reihe 'Musik von nebenan': Temps Perdu?

Von Jo Achim Geschke


Vom Himmel bis zur Unterwelt
 
Ihre Musik ist schon auf 16 Compilation CDs erschienen, seit 1993 haben sie zweieinhalb Stunden ihrer Kompositionen auf Glitzerscheiben eingespielt: „Temps Perdu?". Das sind Catherine Ledit und ihr Mann Dirk Grützmann, das ist „Ambient-Music", eine meditative, ruhige Musik aus computergesteuerten Tönen und Klängen archaischer Instrumente. Sie spielen nicht nur, in ihrem Studio in Bilk produzieren sie auch unter ihrem Label „Timebase" CDs, wie 1995 die Scheibe „Terra Incognita".
 
Elektronische Töne „vom Himmel bis zur Unterwelt" mit ruhigen, fließenden Rhythmus zaubern auf „Terra Incognita" Klanglandschaften in erdigen Farben mit kleinen hellen Ton-Tupfern, die zum Verweilen und Entspannen einladen. „Unsere Musik ist zeitlos, keine Modeerscheinung" betont Catherine, „und keine Entspannungsmusik für gestreßte Manager".
 
Klangreisende
 
Zwar meditativ, aber weit entfernt von Esoterik, dazu sind die beiden zu lebensnah. Ihre Suche nach neuen Klängen ist auch weit entfernt vom elektronisch bestimmeten „Techno-Ambient".
 
„Manchmal kribbelt's unter den Fingernägeln" erzählt Catherine in ihrem unverkennbaren französischen Akzent, „und dann will ich ins Studio." Über dessen Knöpfe und Regler herrscht zum größten Teil Dirk, der nicht erst in der Senderegie des Fernsehens, im "Brotberuf" mit Elektronik vertraut wurde. Catherine, die im französich-deutschen Marketing arbeitet, spielt im Studio Flöten, Synthesizer, aber auch elektronisches Saxophon.

Zusammen organisieren die beiden, die seit 14 Jahren zusammen leben, ihren Vertrieb. Der wird meist über weltweite briefliche und elektronische Kontakte zu anderen Ambient-Musikern und Vertrieben geregelt.
 
Ihre Musik hat einen französischen Choreografen zu einem Tanztheater inspiriert, die Caritas in Münster spielt sie für Kinder in der heilpädagogischen Abteilung. „Das macht mehr Spaß", sagt Catherine ruhig, „als nur Kohle verdienen oder harte Verträge mit Vertriebsfirmen auszuhandel." Und sie greift zu einem ausgehölten Agave-Rohr, entlockt ihm einen rollenden, grollenden, geheimnisvollen Klang. Ein australisches „Didgerdoo" : Catherine wird lernen, es perfekter zu spielen - mit Einfühlung, wie immer, begleitet und ergänzt von Dirk.